06.08.2013, 14:33 Uhr

Ärztemangel grummelt hörbarer

Fast jede Zeitung und die meisten Aktuellen Studios und gesetzlichen Krankenkassen berichten, besonders in ländlichen Regionen entstünde oder bestehe bereits Ärztemangel.

Für einen Arzt-Termin müssen längere Wartezeiten ertragen werden, manche Praxen nehmen neue Patienten möglichst nicht mehr an. Die Klagen und Beschwerden dringen durch bis in die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV). Das Problem stellt sich in den Bundesländern des Ostens drängender als z.B. hier in Niedersachsen.

Erklärungen werden viele und aus allen möglichen Blickwinkeln heraus versucht. Eine gänzlich neue Diagnose wurde für Thüringen im März diesen Jahres gestellt:

Viele ärztliche Praxen sind mutiert zu „Siesta“-Oasen. Ärzte, die sich zu viel Freizeit gönnen oder die kein volles Leistungsspektrum erbringen, müssen künftig wohl mit Sanktionen der KV rechnen.

Erst einmal gerieten Teilzeitärzte mit voller Zulassung in Thüringen ins Visier der Kassenärztlichen Vereinigung. "Nicht alle Ärzte arbeiten so, wie es möglich wäre", sagt KV-Vize Thomas Schröter. Denn ob generell ein Arzt 20 oder 60 Stunden pro Woche seine Praxis öffne und wie viele Patienten er behandele, bleibe ihm überlassen. Er könne das ausnutzten und "bestimmte Leistungen nicht erbringen oder sich auf eine Teilzeitzeittätigkeit zurückziehen". Dies sei "nicht hinnehmbar und soll künftig sanktioniert werden", so Schröter. Wie die Sanktionen konkret aussehen, ist allerdings offen.

Auf der Delegiertenversammlung in Weimar im Juni sieht sich der Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen (KVT) zwischen der Erfüllung des Sicherstellungsauftrags und der zunehmenden Zahl von Beschwerden gefangen, weil Ärzte Patienten nicht zur Behandlung annehmen. Jetzt greift die KVT durch und verpflichtet Praxen mit Fallzahlen, die unter dem Fachgruppendurchschnitt liegen, diese Patienten aufzunehmen. Die Ärzteschaft muß vor dem Vorwurf geschützt werden, den Sicherstellungsauftrag nicht zu erfüllen.

Mit Verärgerung hat der Hartmannbund auf die Ankündigung der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen (KVT) reagiert. „Es ist absolut absurd, die Folgen des Ärztemangels auf gerade diejenigen abzuwälzen, die an der Basis jeden Tag versuchen, auch unter den schwierigen Verhältnissen weiter eine gute Versorgung der Patienten zu gewährleisten“, sagte der 2. Vorsitzende des Hartmannbundes Thüringen, Dr. Jörg Müller.

„Es gibt nach meiner Auffassung keine Rechtsgrundlage für solch eine Verpflichtung“, sagt Freie Ärzteschaft (FÄ)-Vorsitzender Wieland Dietrich und betont: „Solche Zwangsmaßnahmen schrecken den medizinischen Nachwuchs von einer Niederlassung ab. Vertragsärzte sind Freiberufler und keine Untertanen der Kassenärztlichen Vereinigungen.“

Mit diesem Tischklopfer sei das Zitieren erstmal beendet.

Die beklagten langen Wartezeiten auf einen GKV-Arzt-Termin entstehen, weil mehr Versicherte erkranken oder die Anzahl der ländlich niedergelassenen Ärzte schrumpft. Die bestehende Lage wird von Krankenkassen und Kassenärztlichen Vereinigungen erfasst, beurteilt und beschrieben.

Als Zündsatz hinter den gefeierten öffentlichen Feuerwerken wirkt der Ärztemangel.

Also werden Anzahl und Verteilung der notwendigen Niederlassungsorte angepaßt und teilweise neu zugeteilt. Ebenso die Bezahlung der Leistungserbringer und deren Bedingungen durch die Krankenkassen. Ärztliches Tun kann ungehindert stattfinden. Ein niederlassungswilliger Kollege braucht sich nur um einen Praxiskredit und die Anstellung von Mitarbeitern zu kümmern. Einkünfte für seine Existenz und Zukunftsvorsorge und die seiner Familie darf er erwarten. Dafür nimmt er auch den Vertrag seiner Berufsorganisation gegenüber der GKV hin, die Behandlung derer Versicherten sicher zu stellen.

Inzwischen erfährt unser Hoffnungsträger von den vielen alten Ärzten kurz vor der Pension, deren abgescheuerter Gesundheit, den GKV-Kostendämpfungsvorstellungen, dem ländlichen ÖPNV (Öffentlicher Personen-Nah-Verkehr) und Schul- und Krankenhauswesen, seiner selbst zu leistenden Arbeitsmenge und –zeit usw usw …

Am Ende verschiebt er sicherheitshalber seine Niederlassung und sieht sich weiter um. Die sichere Auswirkung auf den nächst erreichbaren Arzt-Termin muß er nicht verantworten. Seine bereits murrend wirkenden GKV-Kollegen sehen sich Computer-gestützt auch noch der Androhung einer Honorarkürzung wegen Nichterfüllung des Sicherstellungsvertrages kollektiv oder wegen individuell abweichenden Verhaltens ausgesetzt.

Ist es denn unvorstellbar, daß Verfügungen, Anordnungen und Gesetze auf zu wenige oder keine Landärzte treffen ? Die Freiheit der Berufswahl wäre zu hinterfragen.

Gesetzt den Fall, Ihre zuständige KZVN wirft Ihnen als Zahnarzt in einem späteren Stadium vor:

Zu lange Wartezeiten für Ihre zu wenigen Patienten, zu wenig CP-Behandlungen, zu viele Extraktionen, zu viele Frontzahnkronen statt Eckenaufbauten usw usw – und das innerhalb einer gesegneten Bürgerversicherung.

Dafür finanzierten Sie Ihren teuren GKV-Laden selbst.

(W. Siegert)