28.07.2017, 00:00 Uhr

Zahnärzte machen Front gegen geplante Bürgerversicherung

Zahnärzte machen Front gegen geplante Bürgerversicherung

„Weg in die totale Staatsmedizin kommunistischer Prägung“

 

Niedersachsen, 28. Juli 2017.-

Mit einer Plakataktion macht die Vereinigung unabhängiger Vertragszahnärzte (VuV) auf die Folgen einer ‚Bürgerversicherung‘  aufmerksam, für die sich SPD und Grüne in ihren jeweiligen Wahlprogrammen zur Bundestagswahl am 24. September aussprechen. Tatsächlich handele es sich um einen „Weg in die totale Staatsmedizin kommunistischer Prägung“, warnt die VuV in einem Brief an die niedergelassenen Zahnärztinnen und Zahnärzte in Niedersachsen, der den Medizinern in den nächsten Tagen zugeht. Beigelegt ist ein Plakat zum Aushängen in der Praxis, damit auch die Patientinnen und Patienten auf das Thema aufmerksam werden.

Derzeit sei das Thema in der Öffentlichkeit noch nicht präsent. Die Aufklärung der Bevölkerung sei aber umso wichtiger, denn die ‚Bürgerversicherung‘ bedeute, dass „automatisch Private Krankenversicherung (PKV) und Beihilfe abgeschafft würden“, heißt es in dem vom VuV-Vorsitzenden Dr. Karl Horst Schirbort (Burgdorf) und seinem Stellvertreter Dr. Karl-Hermann Karstens (Verden) unterzeichneten Schreiben an die zahnärztliche Kollegenschaft. Mit der ‚Bürgerversicherung‘ aber würde „jeglicher Gestaltungsspielraum in unseren Praxen entfallen“, befürchten Schirbort und Karstens.

Auch für die Versicherten hätte die ‚Bürgerversicherung‘ erhebliche Folgen und bisher werde „das ganze Ausmaß der drohenden Entwicklung verschleiert“: Die freie Arztwahl und damit das auf Vertrauen basierende Arzt-Patienten-Verhältnis würden „langfristig abgeschafft“. Was eine sozialistische Staatsmedizin bedeutet, weiß Schirbort aus eigener Erfahrung: Der frühere Vorsitzende der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) hat seine ersten Lebensjahrzehnte in der damaligen DDR verbracht und die im Vergleich zum Westen schlechte Versorgung der Menschen durch eine staatlich gelenkte Medizin selbst erlebt. Diese Erfahrungen haben ihn geprägt und zu einem energischen Kämpfer für ein möglichst freiheitliches System der Krankenversorgung werden lassen.

Der Kampf gegen die ‚Bürgerversicherung‘ ist ihm von daher eine Herzensangelegenheit und auch mit der VuV konnte in den vergangenen Jahren deren Einführung bislang verhindert werden. „Aber das Thema ist nicht vom Tisch, ganz im Gegenteil“, so Schirbort. „Deshalb müssen wir im Interesse unserer Patienten dafür kämpfen, dass die bewährten Strukturen erhalten bleiben.“